3sat-Wissen aktuell - Wohlstand

Wohlstand für alle?

Der 3sat-Themenabend widmet sich den sozialen Missverhältnissen einer modernen Gesellschaft und sucht Wege aus der Ungerechtigkeit.

Sozialer Aufstieg – für das untere Drittel unserer Gesellschaft ist das meist ein leeres Versprechen. Wer in Deutschland in eine Geringverdiener-Familie hineingeboren wird, wird sehr wahrscheinlich selbst ein Geringverdiener. Dabei ist Einkommensarmut nicht nur ein Thema der Unterschicht: Sie betrifft zunehmend auch Angehörige der Mittelschicht. Dass jemand allein mittels Arbeit seine Lebensbedingungen und den sozialen Status sichern oder gar verbessern kann, ist längst nicht mehr garantiert.

Das Rentendebakel

Rentenreportage

Ein Deutscher bekommt – bei vergleichbarer Arbeitsvita – rund die Hälfte der Rente eines Österreichers. Woran liegt das? Unser Reporter geht auf Spurensuche in Deutschland und Österreich. Er trifft Experten, die vor zu viel Vertrauen in den freien Markt warnen, und lässt schließlich sogar seine eigene private Zusatzversicherung von einem unabhängigen Experten prüfen – böses Erwachen.

Die Demografie-Lüge

Arbeitskräftenotstand und knappe Rente – das bereitet vielen Menschen Sorge. Allerdings: Die Zahlenspiele, auf denen Prognosen über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung beruhen, dienen in erster Linie den Interessen der Versicherungskonzerne. Der Film zeigt, wie mit fraglichen Bevölkerungszahlen politische Interessen durchgesetzt werden.

Arme Alte

Die Rente soll reformiert und die drohende Altersarmut abgewendet werden. Die Regierung setzt dabei weiterhin auf betriebliche und private Zusatzversorgung. Kritiker halten dagegen: Die gesetzliche Rente muss als tragende Säule gestärkt werden. Fallbeispiel einer Frau, deren Rente auch nach mehr als 40 Arbeitsjahren – bei einer Bezahlung über dem Mindestlohn – nicht zum Leben reicht.

Armes Deutschland

Das arme Deutschland – kein Wohlstand für alle

Armut ist nicht nur ein Thema der Unterschicht: Sie betrifft zunehmend auch Angehörige der Mittelschicht. Welche Folgen haben Armut und Armutsgefährdung für Kinder, Alleinerziehende, Erwerbs- oder Langzeitarbeitslose? Fest steht: Die Verteilungskonflikte werden in den kommenden Jahren schärfer, die Belastungen des Staates größer. Unser Reporter trifft das arme Deutschland.

Vermögen in Zahlen

Wie wohlhabend sind die Deutschen und in was investieren sie? Fest steht: Die wohlhabendsten 10 Prozent aller Haushalte in Deutschland besitzen weit mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens – während 74 Prozent der Haushalte ein geringeres Vermögen als der Durchschnitt haben. Größer ist der Unterschied zwischen Arm und Reich europaweit nur noch in der Schweiz und in Schweden.

Wie schaffen wir soziale Gerechtigkeit?

Mythos Chancengleichheit – arm bleibt arm

Erfolgreicher Akademiker oder arbeitsloser Hilfsarbeiter? In Deutschland ist die Zukunftsperspektive der Kinder stark von ihrer Herkunft abhängig – stärker als in anderen, vergleichbar entwickelten Ländern. So bleibt der soziale Aufstieg häufig ein leeres Versprechen. Was muss sich tun im deutschen Bildungssystem, damit diejenigen, die unten sind, nicht unten bleiben? Zwei Erfolgsgeschichten zeigen es.

Mein Grundeinkommen

Angesichts zunehmender Automatisierung und Digitalisierung wird Arbeit zukünftig noch knapper, die Schere zwischen Arm und Reich größer. Ein Weg, dem entgegenzusteuern, ist das bedingungslose Grundeinkommen: 1000 Euro pro Monat für jeden – ein ernstzunehmendes Modell, wie eine Fallstudie aus Kanada zeigt. Was seit langem auch in Deutschland diskutiert wird, testet ein Crowdfunding-Projekt aus Berlin.

Die Fehler der Geldpolitik

Die große Geldflut – Was passiert mit unserem Geld?

Nullzins, explodierende Immobilienpreise und jede Menge billiges Geld: Auf dem Konto schmilzt es weg, wer Schulden hat, darf sich dagegen freuen. Seit Jahren drücken die Notenbanken die Zinsen, um Banken zu retten, Wachstum anzukurbeln und verschuldete Staaten zu stabilisieren. Der Film zeigt, woran die globalen Finanzsysteme kranken und wie auch das die Gesellschaft zunehmend in Arm und Reich spaltet.

Geschichte der Geldpolitik

Geld ist Tauschmittel, Medium zum Aufbewahren von Kapital, Wertmaßstab, Prestigeobjekt und vieles mehr. Unsere Zeitreise zeigt: Früher war Geld vor allem ein Mittel, um den Warenverkehr zu vereinfachen. Inzwischen ist Geld selbst zur Ware geworden, mit der sich Geschäfte machen lässt – an denen wiederum vor allem die verdienen, die ohnehin schon viel haben.

Bargeld ist Freiheit

Führende Politiker wollen die Verwendung von Bargeld einschränken. Das Problem dabei: Ist das Geld nicht mehr in der Hand der Bürger, können Regierungen es jederzeit als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Vorstellungen nutzen. Der Film hinterfragt die gängigen Argumente der Bargeldgegner und zeigt, was mit der Abschaffung des Bargelds alles verloren gehen würde.

Die Gesellschaft rückt auseinander

Warum immer weniger Menschen immer mehr besitzen

In Deutschland besitzen nur zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens – und die Ungleichheit nimmt weiter zu. Besonders bemerkenswert ist, dass 74 Prozent der Haushalte über ein geringeres Vermögen verfügen, als der Durchschnitt. Diese extrem ungleiche Verteilung des Wohlstandes birgt nicht nur ein soziales, sondern auch ein ökonomisches Problem.

Um Ungleichheit statistisch zu beschreiben, zum Beispiel der Verteilung von Vermögen oder Einkommen, gibt es einen speziellen Index. Der „Gini-Koeffizient“ beschreibt den Grad der Ungleichverteilung. Ein Wert von „0“ steht für totale Gleichheit: Alle haben exakt gleich viel Vermögen. „100“ stände dafür, dass ein Mensch alles besitzt und der Rest nichts. In Deutschland liegt der „Gini-Koeffizient“ mit 77,5 relativ hoch. Im Nachbarland Belgien ist er mit 62,6 deutlich niedriger. Trauriger Spitzenreiter in puncto Ungleichheit in Europa sind die Schweiz (80,3) und Schweden (80,9). Weltweit aber ist der Unterschied zwischen dem, was die Reichen besitzen, und dem, was die Armen haben, am gravierendsten in den USA mit 85 und in Russland mit 91,2. Nirgendwo sonst besitzen so wenige Menschen so viel. Fast alle Untersuchungen zu dem Thema zeigen auch, dass die Ungleichheit in den letzten Dekaden wächst.

Massiv wachsende Ungleichheit der Einkommen

Wie kam es zu dieser Entwicklung? Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty untersuchte in seinem aufsehenerregenden Werk „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ die Vermögensverteilung. In den westlichen Industrienationen war zwischen 1940 und 1970 ein Rückgang der ökonomischen Ungleichheit zu beobachten. Seit den 1980er Jahren setzt allerdings eine massiv wachsende Ungleichheit der Einkommen ein, verbunden mit einer Vermögenskonzentration. Laut anderer Studien lässt sich dieser Trend auch in den USA, Australien, Kanada, Neuseeland und Japan beobachten. Über die Ursachen streiten die Wirtschaftswissenschaftler energisch. Vor allem die Deregulierungen in den 1980er Jahren werden als Ursache genannt.

Es bleibt die Frage zu klären, ob eine Ungleichverteilung nicht gerechtfertigt sein könnte. Wer viel arbeitet, sollte auch viel verdienen. Wer eine große Verantwortung trägt, gut ausgebildet ist, oder besondere Fähigkeiten mitbringt, sollte auch mehr Geld beziehen. Leistung soll sich lohnen und der Anreiz sich „hochzuarbeiten“ sollte für die alle Bevölkerungsschichten präsent sein – das leuchtet ein.

Kriege nivellieren Unterschiede

Die Philosophen und Ökonomen befassen sich schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts mit der Frage, ob eine finanzielle Ungleichverteilung gerechtfertigt ist. Die Einschätzungen der letzten Jahre kommen zu dem Schluss, dass eine gewisse Spreizung der Einkommen und Vermögen für die Gesellschaft von Nutzen ist. Und die Geschichte hat gelehrt, dass vollkommene Gleichheit nur auf dem Papier gut aussieht. Doch eine zu große Ungerechtigkeit birgt Gefahren. Soziale Spannungen können auftreten und wie in der Vergangenheit sich in Kriegen und Bürgerkriegen entladen. Empirische Betrachtungen haben gezeigt, dass die Kriege in Europa immer auch zu einer Neuverteilung des Besitzes geführt haben, also zu einer größeren Vermögensgerechtigkeit. Zudem bedeutet eine Vermögenskonzentration immer auch eine Machtkonzentration. Die politische und gesellschaftliche Teilhabe der Mehrheit der Gesellschaft verringert sich.

Wohlstandsverteilung beeinflusst Wirtschaftswachstum

Doch auch wenn man diesen Thesen nicht folgen möchte, so betont ein Teil der ökonomischen Forschung, dass die Einkommens- und die Vermögensverteilung auch das Wirtschaftswachstum beeinflussen können. Der Lohnanstieg bleibt seit Jahrzehnten in Deutschland deutlich hinter dem Anstieg der Wirtschaftsleistung zurück. Auch das trägt zur wachsenden Ungleichverteilung der Einkommen bei. Das damit verbundene Spar- und Ausgabeverhalten bremst den privaten Konsum, darauf weisen Prof. Gert G. Wagner und Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hin.

Chance zum Aufstieg kann Ungleichheit abmildern

Dazu kommt die Tatsache, dass Ungleichheit moralisch nur zu rechtfertigen ist, wenn jeder partizipieren kann. Das soll heißen: Der soziale Aufstieg des fleißigen und tüchtigen darf also nicht die Ausnahme sein, sondern die Regel. Nicht nur für die unteren Schichten ist dieses die Prämisse, auch für die Mittelschicht ist der Traum vom Aufstieg wichtig. Prof. Reinhard Pollak vom Wissenschaftszentrum Berlin sagt es im Deutschlandradio so: „Wir wissen seit Jahren aus den Pisastudien, dass in Deutschland das Elternhaus am meisten vorhersagt. Die soziale Herkunft entscheidet, wo man im Leben landet. (…) Ein Kind, das in einen einfachen Arbeiterhaushalt hineingeboren wird, hat nur eine vierprozentige Chance einmal ein leitender Angestellter zu werden. Kommen die Eltern aber aus dieser Schicht, liegt die Chance schon bei 35 Prozent.“ Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) hat festgestellt, dass in Deutschland nur 20 Prozent der Jugendlichen einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern besitzen. Das war auch nicht immer so. In den 1960er und 70er Jahren war ein Studium auch für Arbeiterkinder leichter möglich als heute, das zeigen die Daten des Sozialwissenschaftlers Pollak.Wenn also Aufstieg durch Leistung statistisch eher die Ausnahme ist und auch nicht wieder hergestellt wird, was heißt das für die Lohn- und Vermögensungerechtigkeit? Müsste Reichtum vom Staat massiv umverteilt werden? Geht das überhaupt? Leider ist seit den 1960er Jahren zu beobachten, die Umverteilung über Steuern und Transfers in den meisten Ländern an Wirksamkeit eingebüßt hat. Das geht auch aus einer Untersuchung der OECD hervor.

Welche anderen Optionen hat die Politik dieses Thema anzugehen? Was haben Zinsen und Renten bei der Diskussion um „Wohlstand für alle“ zu tun? Das sind nur einige Fragen, die wir bei 3sat am 1. Juni 2017, von 20.15 Uhr an in einem „wissen aktuell“ zu beantworten versuchen.

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