Jan Böhmermann Montagsrede SPD

N19 – Montagsrede 3/7 zur Rettung der deutschen Sozialdemokratie

Rede an Europa und die Nation

Deutscher Herbst 2019:
Machen wir uns unsere Welt!

Montagsrede 3 von 7 – 4.11.2019
gesprochen von Jan Böhmenmann

Die Montagsreden zur Rettung der deutschen Sozialdemokratie stammen dabei aus der Feder einer profilierten Sozialdemokratin oder eines profilierten Sozialdemokraten – von innerhalb oder außerhalb der SPD.

Das #neustart19-Team hat mit der Verfasserin bzw. dem Verfassers Stillschweigen über ihre bzw. seine wahre Identität vereinbart.


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Montagsrede 2 von 7 vom 28.10.2019

Tag: Montagsrede


MONTAGSREDE 3 VON 7

„Deutscher Herbst 2019:
Machen wir uns unsere Welt!
(Rede an Europa und die Nation)“

Verfasser*in: anonym „

Liebe Freunde,
Die Welt ist nicht mehr die, die sie 1891 war. Als wir der Klassenherrschaft den Kampf erklärten. Als wir uns unbedingt und bedingungslos stellten hinter gleiche Rechte und gleiche Pflichten aller. Als wir eine Gesellschaft gestalten wollten, die niemanden vergaß, niemanden ausschloss.

Die Welt ist nicht mehr die, die sie 1925 war. Zwischen den Kriegen, zwischen den Krisen. Als wir das Rückgrat hatten zu einer damals eigentlich undenkbaren Haltung und Vision eines vereinigten Europas – einer Vision, wegen der man uns „vaterlandlose Gesellen“ schimpfte.

Die Welt, werte Genoss*Innen, ist nicht mehr die, die sie 1959 war, als wir in Godesberg ein Lied des Aufbruchs anstimmten, und es uns nicht um das Singen ging, sondern wirklich und ernsthaft darum: aufzubrechen. Ideen abzustauben und einzumotten und neue zu formulieren. Mit breiter Brust zu verkünden, was für eine Partei wir sein werden: die des Volkes. Die der Taten. Eine Partei jener, die politische Vertretung am ehesten brauchen: der Arbeiter, der Abgehängten. Wir wollten eine Partei des Antriebs hin zu einer Gemeinschaft sein.

Und all das in einer Zeit, in der wir uns der Gefahr eines „kleriko-halbfaschistischen Staates“ bewusst waren und der drohenden „innenpolitischen Faschisierung“ die Stirn bieten wollten.

Die Stirn wurde geboten, die Ideen wurden zu Taten, zehn Jahre später durfte sich Willy Brandt, der damals den meisten nicht vor allem als Flughafen bekannt war, in seiner Antrittsrede bei den Wählern für die eindeutige Ablehnung des Extremismus bedanken. Aber die Welt ist ja nicht mehr die, die sie 1969 war.

An unser Grundsatzprogramm 1989 erinnert sich kein Mensch mehr, wahrscheinlich wegen solcher politischer Maximen wie: „Sport ist ein wesentlicher Beitrag zu unserer Kultur.“

„Wo immer schweres Leid über die Menschen gebracht wird, geht es uns alle an. Wer Unrecht lange geschehen lässt, bahnt dem nächsten den Weg.“ Schrieb Brandt dann 1992. Aber die Welt ist ja auch nicht mehr die, die sie’92 war. Oder doch?

Wir lassen das Unrecht lange geschehen, wir leben in gestrigen Zeiten .

Die Zeiten sind nicht mehr die, die sie waren. In ihren Grundzutaten aber ist die Gegenwart aber oft noch immer eine gestrige Welt.

Auch heute müssen gerade wir, Sozialdemokraten, über Rechte Aller sprechen. Darüber, wie sich Ungleichheiten beseitigen lassen und ein würdevolles Leben für alle zu gewährleisten ist. Wir müssen sprechen über die nach wie vor vielerorts nicht selbstverständliche Gleichstellung zwischen den Geschlechtern, müssen über all die Scheren sprechen, die uns im Sozialen und Wirtschaftlichen trennen, Milieus abgeschotteter Welten generieren, zwischen Reich und Arm, Ost und West, Nord und Süd. Zwischen Neuankömmlingen und uns, die wir „gute Nachbarn sein sollten“.

Wir müssen ein halbes Jahrhundert nach Godesberg wieder über die den allgemeinen Wohlstand sprechen. Über dessen ungleiche Verteilung, angesichts der Tatsache, dass die verfügbaren Einkommen deutscher Haushalte gegenwärtig so weit auseinander liegen wie noch nie. Die Wohlhabenden haben ihre Firmengewinne, ihre Kapitaleinkommen. Die Armen haben Hunger. Deutschland ist ein Land von Ungleichen. Bald wird man wieder von Klassen sprechen.

Diese Spaltung, das ist doch die Kluft, die wir nicht eine Minute zu lang dulden dürfen: Sie erteilt uns den wichtigsten sozialdemokratischen Handlungsauftrag – 40 Millionen Menschen haben in Deutschland zusammen gerade mal 1% des gesamten Besitzes! Sie warten auf unsere Antwort, und zwar nicht nur auf die Frage, warum es so weit kam, sondern vor allem: Wie kommen sie da wieder raus?  

Ähnlich laut müssen wir über Geisterdörfer sprechen und jene Gemeinden, die nur dann eine Schlagzeile bekommen, wenn da mal wieder einer mit einem Trecker den Zigarettenautomat umgenietet hat. Wir müssen über ganze Regionen sprechen, die am liebsten Insolvenz anmelden würden, wenn es irgendwie ginge.

Wie bewegen wir diese Orte wieder, damit sie nicht nur Standorte sind: Was bieten wir den Menschen an, was länger hält als die Worthülse „Hoffnung“? So lange die Antwort nur wieder wirtschaftliche Waagschalen beinhaltet, wird die Antwort vor Ort lauten: dann wählen wir eben noch rechter.

Erinnern Sie sich an die Gefahr eines „kleriko-halbfaschistischen Staates“ Staates? Sie müssen sich nicht erinnern, die Gefahr ist wieder da. (…)“

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