Jan Böhmermann Montagsrede SPD

N19 – Montagsrede 4/7 zur Rettung der deutschen Sozialdemokratie

SPD: Darf dieser Männerverein gemeinnützig bleiben?

Montagsrede 4 von 7 – 11.11.2019
gesprochen von Jan Böhmenmann

Die Montagsreden zur Rettung der deutschen Sozialdemokratie stammen dabei aus der Feder einer profilierten Sozialdemokratin oder eines profilierten Sozialdemokraten – von innerhalb oder außerhalb der SPD.

Das #neustart19-Team hat mit der Verfasserin bzw. dem Verfassers Stillschweigen über ihre bzw. seine wahre Identität vereinbart.


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Montagsrede 3 von 7 vom 04.11.2019

Tag: Montagsrede


Montagsrede 4 von 7

SPD: Darf dieser Männerverein gemeinnützig bleiben?

Verfasser*in: anonym „

„Liebe Genossinnen und Genossen,

auf Seite 41 unseres Hamburger Grundsatzprogramms heißt es: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ Die Sozialdemokratie war in ihrer jüngeren Geschichte schon immer geprägt von herausragenden Frauen. Es waren Sozialdemokratinnen wie Marie Juchacz, die enorme Fortschritte für die Frauen in unserem Land erkämpften und damit den Grundstein für unsere heutige Gesellschaft legten.

Heute sind nur rund 30% der SPD-Mitglieder Frauen, die deutliche Mehrheit der Landesvorsitzenden sind männlich und auch beim Betrachten des politischen Berlins wird es nicht rosiger. Kann die SPD dem Anspruch einer feministischen Partei heute nach innen und nach außen also gerecht werden?

Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal bei einer Abteilungssitzung war, saßen dort ausschließlich alte Männer um die 60 mit dicken Bäuchen, tranken Bier und sprachen über alles, außer sozialdemokratischer Politik. Ich war damals eine junge Frau, bereitete mich auf das Abitur vor. Ich wollte was bewegen, überlegte Parteimitglied zu werden. Aus meinem Elan wurde erstmal Abschreckung vor dem, was sich vor Ort Sozialdemokratie nannte.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, habe ich mich, wie viele andere Frauen auch, dazu entschlossen, in die SPD einzutreten. Und auch, wenn es schwierig sein kann und ich manchmal mit mir hadere, empfinde ich die Entscheidung bis heute als richtig.

Ich glaube, dass man es als junge Frau in der Politik überall schwer hat. Parteien können nur so gut sein, wie die Gesellschaft es ist. Dies dürfen wir nie vergessen, auch wenn in den Parteien Unterschiede im Umgang mit Frauen gibt. Einige Verhaltensmuster dürfen wir deshalb nicht akzeptieren.

In meiner SPD musste ich schon oft miterleben, wie junge Frauen niedergemacht und objektiviert wurden. Es ist Alltag, auf Empfängen wesentlich länger zur Begrüßung von alten Männern umarmt zu werden als die männlichen Genossen oder Bundestagsabgeordneten als die schöne junge Praktikantin vorgestellt zu werden, die man sich doch immer gewünscht hätte. Ich bin zum Arbeiten hier und nicht, damit vermeintliche Kollegen sich erstmal überlegen, ob ich attraktiv sei. Ich bin hier um was zu bewegen, nicht um den Atem der Alten Männer einzuatmen, die nur in die Nähe meiner Brüste kommen wollen. Die Abwertung junger Frauen ist eine Kultur, die sich strukturell vom Ortsverein bis in den Bundestag zieht.

Egal, welche wichtigen Termine du besuchst, was du inhaltlich drauf hast oder wie viele Leute du kennst: du weißt, dass du niemals so viel erreichen kannst wie die Männer. Grund hierfür sind die berühmt berüchtigten gläsernen Decken, die in unserer patriarchalen Gesellschaft eher stählern auf mich wirken, und unfassbar viele junge talentierte Frauen von dem abhalten, was sie wirklich wollen: sozialdemokratische Politik zu machen.

Ich werde mich davon nicht beeindrucken lassen. Wenn es um die Unterdrückung der Frauen geht, akzeptiere ich keine Kompromisse mehr. Das sollten wir alle nicht. Frauenrechte sind. nicht. verhandelbar! . Wir müssen endlich dafür sorgen, dass sich in unserer Partei etwas ändert. Und das darf keine lose Selbstverpflichtung oder ein Lippenbekenntnis sein, sondern muss verbindlich für alle gelten.

Was unsere Jusos uns schon vorleben, brauchen wir auch in der Partei: harte Quoten. Wir brauchen harte Quoten bei Wahlen und bei den Redner*innenlisten. Damit es zu einem radikalen Wandel der Parteikultur kommt, müssen alle es deutlich spüren, wenn Frauen benachteiligt werden.

Keine Abteilung darf mehr damit durchkommen, rein männlich zu Parteitagen anzureisen und trotzdem ihr Stimmrecht zu behalten. Ich will nie wieder Parteitage erleben, auf denen ausschließlich Männer miteinander debattieren. Ich möchte, wenn ich als Frau den Raum betrete, nicht diese erstickende Kraft der Objektivierung spüren müssen.

Liebe Genossinnen und Genossen, wenn wir die Gesellschaft ändern wollen, müssen wir zuerst unsere Partei und damit uns selbst ändern. Wir müssen sensibel sein für unser eigenes Handeln und das unserer Genoss*innen. Sensibel dafür, wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander sprechen und in welchen Blasen wir uns bewegen. Daher brauchen wir verpflichtende Workshops über Redestrategien, patriarchale Strukturen und vom Willy Brandt Haus organisierte Mentoring und Empowerment-Programme für unsere weiblichen Mitglieder.“

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