Dr. Maja Göpel

Ökonomie und Ökologie – Ein Widerspruch?

Precht im Gespräch mit Maja Göpel, Scientists for Future

Industriegesellschaften verbrauchen zu viel, vernichten zu viel Lebensraum, blasen zu viel CO2 in die Luft. Und doch scheint sich die Wirtschaftsweise nicht fundamental zu ändern.

Wie sind Ökonomie und Ökologie angesichts des Klimawandels in Einklang zu bekommen? Gibt es Anlass zur Hoffnung? Das fragt Richard David Precht die Politökonomin Prof. Maja Göpel, Mitglied bei Scientists for Future.

Nicht nur Umweltaktivisten, sondern auch renommierte Ökonomen fordern, dass unsere Gesellschaften ihr Wirtschaftssystem grundlegend hinterfragen müssen. Sind sie dem Dogma ewigen Wachstums für immer ausgeliefert, fragt Richard David Precht seinen Gast Prof. Maja Göpel, die Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen. Ist das Bruttoinlandsprodukt tatsächlich ein sinnvoller Indikator dafür, wie glücklich und zufrieden wir leben, fragt Precht. Oder können wir nachhaltig, Ressourcen-schonend und trotzdem erfolgreich wirtschaften? Vor allem: Wie viele Opfer sind die Menschen bereit zu bringen, wenn es um den gewohnten Konsum, den Lifestyle und die Mobilität geht? Precht und Göpel diskutieren die Frage, ob man sich dabei auf die Einsicht des einzelnen Bürgers verlassen könne oder ob am Ende doch nur Verbote helfen, wie es etwa beim Rauchverbot erfolgreich funktioniert hat.

Maja Göpel, geboren 1976, ist Politökonomin und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen und seit 2019 Honorarprofessorin an der Leuphana Universität in Lüneburg.

2007 promovierte sie an der Universität Hamburg in politischer Ökonomie. Ihre zentralen Forschungsthemen waren Globalisierung, Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit. Von 2013 bis 2017 leitete sie das Berliner Büro des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Mit ihrem 2016 veröffentlichten Buch „The Great Mindshift“ etablierte sie sich als Transformationsforscherin. Seither analysiert sie das Mindset, mit dem technische, ökonomische und gesellschaftliche Institutionen die drängenden ökologischen Probleme betrachten.

2020 ist ihr Buch „Unsere Welt neu denken“ erschienen, in dem sie einer breiten Öffentlichkeit die Notwendigkeit einer globalen Transformation nahe bringen will. Vor allem hinterfragt sie die immer noch als gesetzt geltenden ökonomischen Annahmen, auf deren Grundlage bis heute Wirtschaft verstanden und betrieben wird.

2019 wurde sie Mitbegründerin der Kampagne „Scientists for Future“.


Maja Göpel meint, dass man um Verbote im Sinne einer wirtschaftlichen Nachhaltigkeit möglicherweise nicht herumkommen werde. Doch sie hofft auch auf den Synergieeffekt all jener kleinen Projekte, die schon heute beweisen, wie man in Einklang mit der Natur wirtschaften könne. Precht hält dagegen, dass uns die Zeit davonlaufe. Genügt es, so fragt er, angesichts der Dringlichkeit die Gewohnheiten der Menschen geduldig verändern zu wollen, oder braucht man einen einschneidenden Ausweg aus dem Systemzwang?

Precht | ZDF 15.3.2020 | 42 Min
ZDF.de – Video verfügbar bis 15.03.2025

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Und welche der vielen angedachten Strategien hätten das Potenzial, das Dilemma zwischen immer mehr Verbrauch und Konsum auf der einen und der Ausbeutung und Zerstörung unserer Erde auf der anderen Seite aufzulösen? Was sowohl Göpel als auch Precht Hoffnung macht, ist ein Beispiel aus der Geschichte. Schon einmal gelang es erfolgreich, ein aus den Fugen geratenes Wirtschaftssystem entscheidend umzubauen, als der ausbeuterische Manchesterkapitalismus des 19. Jahrhunderts in die Soziale Marktwirtschaft des 20. Jahrhunderts transformiert wurde. Wird es also auch diesmal gelingen?

Prof. Göpel plädiert dafür, eine neue Rechnung aufzumachen und mit einer grundlegend veränderten Steuerpolitik Anreize zur Klimaneutralität zu schaffen. Sie fordert, dass unsere Gesellschaft und Wirtschaft bis 2035 klimaneutral sein müsse. Zur Erreichung dieses Ziels tauge das traditionelle Wachstums-Dogma unserer Marktwirtschaft allerdings nicht mehr.

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